InnoBB-Auftakt: Neue Wege in der beruflichen Bildung

Mit einer Auftaktveranstaltung in Osnabrück ist das Projekt InnoBB – Innovationsförderung in der beruflichen Bildung offiziell gestartet. Im Mittelpunkt standen neue Wege für die überbetriebliche Ausbildung in den Bau- und Ausbaugewerken, die Entwicklung moderner Lehrgangskonzepte sowie die Frage, wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und gewerkeübergreifendes Arbeiten künftig sinnvoll in die berufliche Bildung integriert werden können.

Das Projekt wird von drei Kompetenzzentren getragen: dem Berufsbildungs- und TechnologieZentrum der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, dem Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade in Rutesheim sowie dem Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes in Kassel. Gemeinsam entwickeln sie praxisnahe Bildungsangebote für Auszubildende der Bau- und Ausbaugewerke. Die Laufzeit des Projekts ist von März 2026 bis Februar 2029 vorgesehen.

Programm der Veranstaltung

Die Veranstaltung folgte einem kompakten Programm mit Impulsvorträgen, Projektvorstellung und Beteiligungsformaten:

10:00 Uhr – Begrüßung und Grußworte

10:15 Uhr – Impulsvortrag „Transfer gestalten. Vom Förderprojekt zur Innovation“
Christiane Köhlmann-Eckel, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

10:30 Uhr – Projektvorstellung „InnoBB: Neue Wege in der beruflichen Bildung“
Dr. Roland Falk, Tina Roth, Petra Marpe und Markus Kybart

11:15 Uhr – Kaffeepause und Mitmachaktion
Moderation: Benedikt Falz

11:45 Uhr – Impulsvortrag „Zukünftige ÜLU für die Berufe der Bauwirtschaft – Informationen zur Erarbeitung der Unterweisungspläne“
Henrike Sachse, Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik an der Leibniz Universität Hannover

12:05 Uhr – Impulsvortrag „Künstliche Intelligenz in der beruflichen Bildung: Einblicke und Anwendungsperspektiven“
Laura Hein, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI)

12:35 Uhr – Zusammenführung und Ausblick
Dr. Roland Falk

13:00 Uhr – Veranstaltungsende

Begrüßung: Ausbildung gemeinsam weiterentwickeln

Die Veranstaltung wurde durch Andreas Nünemann, Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, eröffnet. In seiner Begrüßung dankte er den Fördergebern und Partnern, insbesondere dem Land Niedersachsen, dem Bundesinstitut für Berufsbildung sowie den beteiligten Ministerien.

Im Mittelpunkt seiner Ansprache stand die Bedeutung moderner und hochwertiger Ausbildung für eine starke Handwerkswirtschaft. Die neue Ausbildungsordnung für die Bauberufe wurde als wichtiger Meilenstein beschrieben. Entscheidend sei nun, diese Ordnung mit Leben zu füllen und daraus attraktive, praxisnahe und zukunftsorientierte Bildungsangebote zu entwickeln.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Gedanken der Zusammenarbeit. Wie auf einer Baustelle kein Gewerk allein ein Gebäude errichten kann, sollen auch im Projekt InnoBB die Kompetenzen der beteiligten Bildungszentren gebündelt werden. Ziel ist es, Auszubildende besser auf die Anforderungen moderner Bau- und Sanierungsprozesse vorzubereiten.

Impuls: Transfer gestalten – vom Förderprojekt zur Innovation

Christiane Köhlmann-Eckel vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) stellte in ihrem Impulsvortrag die Bedeutung von Transfer in Förderprojekten heraus. Transfer bedeute nicht nur, Ergebnisse weiterzugeben. Vielmehr gehe es darum, Erkenntnisse aufzunehmen, weiterzuentwickeln und so in die Bildungspraxis zu übertragen, dass sie an anderen Lernorten wirksam werden.

Sie ordnete InnoBB in die Förderlogik der Kompetenzzentren ein. Kompetenzzentren bündeln besondere fachliche Expertise und tragen dazu bei, technologische, gesellschaftliche und pädagogische Entwicklungen in die berufliche Bildung zu übertragen.

Zugleich machte sie deutlich, vor welchen Herausforderungen die berufliche Bildung steht: Fachkräftebedarf, demografischer Wandel, sinkende Ausbildungszahlen, heterogene Lernbiografien und neue technologische Anforderungen verändern die Ausbildungspraxis. Überbetriebliche Bildungsstätten übernehmen dabei eine wichtige Rolle. Sie bieten geschützte Lernräume, ermöglichen handlungsorientiertes Lernen und schaffen Gelegenheiten, neue Technologien kennenzulernen.

Auch Künstliche Intelligenz wurde als wichtiges Zukunftsthema benannt. Sie könne Lernprozesse individualisieren, Ausbilderinnen und Ausbilder unterstützen und organisatorische Abläufe erleichtern. Gleichzeitig bleibe pädagogische Kompetenz unverzichtbar. KI sei ein Werkzeug, aber kein Ersatz für die menschliche Begleitung im Lernprozess.

Projektvorstellung: InnoBB – neue Wege in der beruflichen Bildung

Im Anschluss stellten Dr. Roland Falk, Tina Roth, Petra Marpe und Markus Kybart das Projekt InnoBB vor. Ausgangspunkt ist der tiefgreifende Wandel im Bauwesen. Fachkräftemangel, veränderte Lernvoraussetzungen, technologische Entwicklungen, Klimaziele und der wachsende Sanierungsbedarf stellen Betriebe und Bildungszentren vor neue Aufgaben.

Das Projekt zielt auf die Entwicklung modularer Zusatzangebote im Rahmen der Wahlwochen zur energetischen Gebäudesanierung. Diese Angebote sollen praktische Werkstattarbeit mit digitalen Lernformaten wie KI, XR und Lernplattformen verbinden. Wichtig ist: Es handelt sich um Wahlwochen. Die Teilnahme wird durch den Ausbildungsbetrieb entschieden. Deshalb müssen die Angebote fachlich relevant, praxisnah und attraktiv sein, damit Betriebe darin einen klaren Mehrwert erkennen.

InnoBB setzt auf die Zusammenarbeit dreier Kompetenzzentren mit unterschiedlichen Schwerpunkten:

  • Das Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade in Rutesheim bringt seine Expertise in Ausbau, Fassade und KI-gestützten Lernassistenzen ein.
  • Das Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes in Kassel konzentriert sich auf Holzbau, digitale Lerninhalte und Lernplattformen.
  • Das BTZ Osnabrück übernimmt Schwerpunkte in Versorgungstechnik, Massivbau und kollaborativem Arbeiten.

Ein zentrales Anliegen des Projekts ist das gewerkeübergreifende Lernen. Auszubildende sollen lernen, Abhängigkeiten zwischen Gewerken besser zu verstehen, Schnittstellen frühzeitig mitzudenken und Arbeitsprozesse gemeinsam zu planen. Digitale Tools sollen dabei nicht Selbstzweck sein, sondern praktische Arbeit unterstützen, visualisieren und reflektierbar machen.

Das Projekt arbeitet agil und iterativ. In drei Entwicklungszyklen werden Konzepte entwickelt, im Echtbetrieb pilotiert, evaluiert und anschließend optimiert. Ein Projektbeirat begleitet den Prozess fachlich und unterstützt die Qualitätssicherung sowie den Transfer in die Praxis.

Kaffeepause und Mitmachaktion: Perspektiven aus der Praxis

Die Kaffeepause wurde bewusst als Beteiligungsformat gestaltet. Unter Moderation von Benedikt Falz konnten die Teilnehmenden an Pinnwänden und über ein digitales Whiteboard eigene Einschätzungen, Bedarfe und Ideen einbringen.

Gefragt waren Rückmeldungen zu relevanten Technologien, möglichen Inhalten neuer Lehrgänge und sogenannten Future Skills. Damit wurde ein zentrales Prinzip des Projekts sichtbar: Die Entwicklung neuer Bildungsangebote soll nicht im geschlossenen Projektteam erfolgen, sondern gemeinsam mit Praxispartnern, Betrieben, Fachverbänden, Bildungsstätten und weiteren Expertinnen und Experten.

Impuls: Zukünftige ÜLU für die Berufe der Bauwirtschaft

Henrike Sachse vom Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik (HPI) erläuterte die künftige Struktur der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung in den Berufen der Bauwirtschaft. Ihr Vortrag lieferte eine wichtige Grundlage für die weitere Projektarbeit.

Die ÜLU gehört zum betrieblichen Teil der dualen Ausbildung. Sie ergänzt und vertieft die Ausbildung in produktionsunabhängigen Werkstätten, sichert ein einheitlich hohes Ausbildungsniveau und unterstützt die Anpassung an technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen.

Ein Schwerpunkt lag auf den Unterweisungsplänen. Sie bilden künftig die Grundlage für die Umsetzung der ÜLU in den überbetrieblichen Bildungsstätten. Der inhaltliche Teil legt fest, welche Kompetenzen Auszubildende in einem Lehrgang erwerben sollen. Der Durchschnittskostenplan dient als Grundlage für die laufende Förderung durch Bund und Länder.

Für die Bauwirtschaft ergeben sich aus der neuen Ausbildungsordnung klare Vorgaben: Im ersten Ausbildungsjahr sind 13 Pflichtwochen und bis zu 3 Wahlwochen vorgesehen, im zweiten Ausbildungsjahr 11 Pflichtwochen und bis zu 2 Wahlwochen, im dritten Ausbildungsjahr 6 Pflichtwochen und bis zu 4 Wahlwochen.

Die Erarbeitung der Unterweisungspläne erfolgt in enger Abstimmung zwischen HPI, Fachverbänden und weiteren Beteiligten. Für die 16 dreijährigen Ausbildungsberufe der Bauwirtschaft wurden berufsspezifische Arbeitskreise eingerichtet. Ergänzend gibt es Koordinierungskreise für Hochbau, Tiefbau und Ausbau sowie einen übergeordneten Lenkungskreis. Insgesamt wirken rund 80 Personen mit, unter anderem aus Bildungsstätten, Betrieben und Verbandsstrukturen.

Bereits im Januar 2026 wurden die Unterweisungspläne für das erste Ausbildungsjahr veröffentlicht. Insgesamt handelt es sich um 91 Unterweisungspläne. Die künftige Struktur sieht einwöchige Lehrgänge vor, um Modularisierung und flexible Kombinationen zu erleichtern.

Für InnoBB ist dieser Vortrag besonders relevant, weil er zeigt, welche Rahmenbedingungen für neue Wahlwochen gelten. Neue Inhalte können entwickelt werden, müssen aber zur Ausbildungsordnung passen und einen erkennbaren Nutzen für Betriebe und Auszubildende bieten.

Impuls: Künstliche Intelligenz in der beruflichen Bildung

Laura Hein vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) gab Einblicke in Anwendungsperspektiven von KI in der beruflichen Bildung. Sie stellte zunächst den DFKI-Forschungsbereich Smart Enterprise Engineering in Osnabrück vor, der aus dem Bereich Informationsmanagement und Wirtschaftsinformatik der Universität Osnabrück hervorgegangen ist. Ziel ist die Gestaltung digitaler Geschäftsmodelle für Unternehmen der Zukunft, verbunden mit starker Anwendungsorientierung und wissenschaftlicher Begleitung.

Im Projekt CITAH+ unterstützt das DFKI gemeinsam mit Partnern Organisationen, KMU, Midcaps und öffentliche Einrichtungen bei der digitalen Transformation. Dabei geht es unter anderem um „Ausprobieren vor dem Investieren“, Kompetenzaufbau, Finanzierungszugänge, Networking und den Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis.

Im Vortrag wurde KI zunächst grundlegend eingeordnet. Künstliche Intelligenz beschreibt die Fähigkeit von Maschinen, menschliche Fähigkeiten wie Lernen, Planen, logisches Denken und Kreativität nachzuahmen. Machine Learning, neuronale Netze und Deep Learning wurden als zentrale technologische Grundlagen erläutert. Generative KI erzeugt neue Inhalte auf Basis bestehender Daten und arbeitet dabei mit statistischen Wahrscheinlichkeiten.

Für die Bildung sieht Laura Hein mehrere Potenziale: personalisiertes Lernen, Entlastung von Lehrkräften, niedrigschwellige Unterstützung und Abbau von Barrieren. KI kann Lerninhalte an Interessen, Vorkenntnisse und Lernstände anpassen, Informationen zusammenfassen, Fragen generieren oder Lernende durch Chatbots unterstützen.

Anhand mehrerer Praxisbeispiele wurden konkrete Einsatzmöglichkeiten gezeigt: geschlechtergerechte Lernplattformen, individualisierte Lerntexte, intelligente Dokumentenanalyse, KI-basierte Lernfragen sowie VR-gestützte Lernumgebungen. Besonders deutlich wurde, dass KI Lernprozesse unterstützen und individualisieren kann, aber immer didaktisch verantwortet eingesetzt werden muss.

Auch Risiken wurden angesprochen: falsche oder irreführende Informationen, Halluzinationen, Datenschutz, ethische Fragen sowie die Gefahr eines unkritischen Umgangs mit KI-Ergebnissen. Die zentrale Botschaft lautete: KI kann Bildung verbessern, aber Lehrkräfte und Ausbilderinnen und Ausbilder bleiben unverzichtbar.

Zusammenführung und Ausblick

Zum Abschluss fasste Dr. Roland Falk die zentralen Eindrücke des Tages zusammen. InnoBB versteht sich nicht als reines Digital- oder KI-Projekt. Im Mittelpunkt stehen weiterhin die Menschen: Auszubildende, Ausbilderinnen und Ausbilder, Betriebe und alle Partner der beruflichen Bildung.

Digitale Werkzeuge, KI, XR und Lernplattformen sollen dort eingesetzt werden, wo sie die Ausbildung sinnvoll unterstützen. Entscheidend bleibt jedoch, dass Inhalte praxisnah sind, Ausbilderinnen und Ausbilder mitgenommen werden und Betriebe einen konkreten Nutzen erkennen.

Die Veranstaltung machte deutlich: Die Bau- und Ausbauausbildung steht vor großen Veränderungen. InnoBB möchte dazu beitragen, diese Veränderungen aktiv zu gestalten – mit modernen Lehrgangskonzepten, gewerkeübergreifender Zusammenarbeit, starken Netzwerken und einem konsequenten Transfer in die Praxis.

Die Teilnehmenden wurden eingeladen, sich weiterhin einzubringen: durch Feedback, Beteiligung an Pilotierungen, Mitarbeit im Projektbeirat oder durch den Austausch zu konkreten Bedarfen aus der betrieblichen Praxis. Eine erste Statusveranstaltung ist für das kommende Jahr in Kassel vorgesehen.

Weitere Eindrücke der Veranstaltung

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