Strategische Weichen für die Zukunft des Netzwerks gestellt

Wie kann sich das Kompetenznetzwerk Bau und Energie in einer Zeit weiterentwickeln, in der Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und neue Technologien die berufliche Bildung grundlegend verändern? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Vorstand des Kompetenznetzwerks am 9. Juli 2026 bei einer Klausurtagung in Kassel.

Das Netzwerk vereint bundesweit mehr als 15 Kompetenzzentren mit großer fachlicher Breite, langjähriger Projekterfahrung und engen Verbindungen zu Politik, Wissenschaft, Industrie und beruflicher Bildung. Gemeinsam entwickeln die Mitglieder Bildungs- und Beratungsangebote, setzen Qualitätsstandards und sorgen dafür, dass technische Innovationen möglichst schnell in die Aus- und Weiterbildung der Bauwirtschaft übertragen werden.

Vom Projektnetzwerk zur Innovationsplattform

Im Mittelpunkt der Sitzung stand die Frage, wie diese Stärken künftig noch gezielter genutzt werden können. Denn zugleich steht die berufliche Bildung vor vielfältigen Herausforderungen: Förderprogramme werden wettbewerbsintensiver, technologische Entwicklungen beschleunigen sich und die Gewinnung von Nachwuchs- und Fachkräften wird schwieriger.

Mit dem Strategiekonzept 2030 formuliert das Netzwerk deshalb eine klare Vision: Das Kompetenznetzwerk Bau und Energie soll sich zur führenden Innovationsplattform für berufliche Bildung im Bauwesen in Deutschland weiterentwickeln. Der Anspruch lautet, künftig nicht nur gemeinsame Projekte umzusetzen, sondern die Zukunft der Bau-Berufsbildung dauerhaft und aktiv mitzugestalten.

Zehn Handlungsfelder für die weitere Entwicklung

In Kassel wurden zehn strategische Handlungsfelder herausgearbeitet. Eine zentrale Rolle spielen dabei Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz, Robotik, BIM, Automatisierung, Sensorik, Smart Building sowie Anwendungen aus dem Bereich Augmented und Virtual Reality. Neue Technologien sollen frühzeitig erkannt, bewertet und für die berufliche Bildung nutzbar gemacht werden.

Eng damit verbunden ist die Weiterentwicklung der Didaktik. KI-gestützte Lernsysteme, adaptive Lernassistenten, digitale Lernpfade, Micro Learning und moderne Prüfungsformate sollen dazu beitragen, zeitgemäße und kompetenzorientierte Bildungsangebote für die Bauwirtschaft zu entwickeln.

Weitere Schwerpunkte bilden Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft, neue Materialien, Arbeitssicherheit und die fortschreitende Digitalisierung der Bauprozesse. Auch die Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Industrie soll systematischer ausgebaut werden, damit Innovationen schneller ihren Weg in Bildungszentren, Lehrgänge und Betriebe finden.

Wissen bündeln und gemeinsam nutzen

Ein weiterer wichtiger Baustein ist der Aufbau einer gemeinsamen Wissensplattform. Aus dem bisherigen digitalen Austauschbereich soll schrittweise ein strukturierter Wissenshub entstehen. Dort könnten zukünftig unter anderem Informationen zu Förderprogrammen, Richtlinien und technologischen Entwicklungen ebenso gebündelt werden wie Lehrmaterialien, KI-Werkzeuge, Veranstaltungen und erfolgreiche Praxisbeispiele.

Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, die wachsenden Informationsmengen zu strukturieren und den Mitgliedern bedarfsgerecht zugänglich zu machen. So soll Wissen nicht nur gesammelt, sondern innerhalb des Netzwerks schneller geteilt und für gemeinsame Aktivitäten genutzt werden.

Neue Partnerschaften und europäische Perspektiven

Das Strategiekonzept sieht außerdem vor, aus bisherigen Kontakten zu Herstellern und Technologieanbietern langfristige Entwicklungspartnerschaften zu formen. Denkbar sind Kooperationen mit der Baustoffindustrie, Maschinen- und Softwareherstellern sowie Unternehmen aus dem KI-Umfeld.

Auch europäische Kooperationen sollen zukünftig stärker in den Blick genommen werden. Austauschprogramme, gemeinsame Lehrmodule und internationale Projekte könnten neue Impulse für die berufliche Bildung geben. Mit der Projektidee „BuildAI Europe“ besteht bereits ein erster Ansatz für eine europaweite Zusammenarbeit an der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und Bau-Berufsbildung.

Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen

Damit aus den strategischen Zielen konkrete Aktivitäten entstehen, wurde auch über neue Formen der Zusammenarbeit diskutiert. Künftig sollen thematische Ressorts und kleinere Arbeitsgruppen Verantwortung übernehmen, beispielsweise in den Bereichen Digitalisierung und KI, Didaktik, Förderprogramme, Wissenschaft, Industrie, Marketing, Europa, Nachhaltigkeit und Wissensmanagement.

Kurze Projektzyklen, regelmäßige Online-Treffen und klar definierte Arbeitsergebnisse sollen eine kontinuierliche Zusammenarbeit ermöglichen. Projekte bleiben dabei ein wichtiger Bestandteil des Netzwerks. Sie sollen künftig jedoch verstärkt aus der gemeinsamen strategischen Arbeit heraus entstehen – und nicht mehr allein den Mittelpunkt der Zusammenarbeit bilden.

Einblicke in die Ausbildungspraxis

Neben der strategischen Arbeit bot die Klausurtagung auch Gelegenheit, das Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Kassel (BuBiZA) näher kennenzulernen. Bei einer Führung erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Räumlichkeiten, Werkstätten und Bildungsangebote des Zentrums.

Besonders anschaulich war der Besuch in der überbetrieblichen Ausbildung der Zimmerer. Dort konnte die Gruppe erleben, wie handwerkliche Fertigkeiten vermittelt, moderne Technik eingesetzt und theoretische Inhalte mit praktischen Aufgaben verbunden werden. Der Rundgang machte deutlich, wie wichtig der unmittelbare Austausch zwischen den Kompetenzzentren ist: Strategische Überlegungen lassen sich so direkt mit den Anforderungen und Erfahrungen aus der Ausbildungspraxis verknüpfen.

Gemeinsam die Bau-Berufsbildung der Zukunft gestalten

Die Klausurtagung in Kassel war ein wichtiger Schritt, um das gemeinsame Selbstverständnis weiterzuentwickeln und die Weichen für die kommenden Jahre zu stellen. Mit seiner fachlichen Vielfalt, seiner bundesweiten Struktur und der engen Verbindung von Bildung, Handwerk, Wissenschaft und Technologie verfügt das Kompetenznetzwerk über sehr gute Voraussetzungen, sich als zentrale Anlaufstelle für Innovationen in der beruflichen Bildung der Bauwirtschaft zu positionieren.

Der Leitgedanke für den gemeinsamen Weg bis 2030 ist dabei eindeutig:

Nicht nur Projekte bearbeiten – sondern die Zukunft der Bau-Berufsbildung gemeinsam gestalten.